Naturschutzstation Marienfelde
Naturschutzstation Marienfelde

Insekt des Jahres 2020                    Der Schwarzblaue Ölkäfer

Schwarzblauer Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) Foto: Ekkehard Wachmann

Maiwurmzeit!

 

Insekt des Jahres 2020 ist der Maiwurm. Eigentlich ist es ein Käfer, der sich hinter dem Namen verbirgt. Sein korrekter deutscher Name lautet

Schwarzblauer Ölkäfer,

der wissenschaftliche Name ist noch etwas sperriger: Meloë proscarabaeus.

Diese Tiere sind nicht nur wegen ihres Aussehens ungewöhnlich! Wie alle elf aus Deutschland bekannten Ölkäfer der Gattung Meloë ist der Schwarzblaue Ölkäfer giftig. Das Gift heißt Cantharidin und ist in seiner Wirkung von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. In kleineren Mengen wirkt es hautreizend bis hin zur Blasenbildung. In größeren Mengen, die Menschen niemals zu sich nehmen würden, wirkt es sogar tödlich. Allerdings galt Cantharidin als Aphrodisiakum, dass vor allem aus der Spanischen Fliege (Lytta vesicatoria) gewonnen - ebenfalls eine Ölkäferart. Dabei kam es wohl hin und wieder zu Fehldosierungen - Lust und Tod lagen dicht beieinander! Die Ölkäfer selber nutzen es zur Verteidigung. Bei Beunruhigung können sie aktiv ihre mit dem Gift versehene Körperflüssigkeit abgeben (Reflexbluten), was ähnlich auch Marienkäfer praktizieren (aber ohne Cantharidin). Die allermeisten Feinde verschreckt dieser Trick, er wirkt aber nicht bei bestimmten Arten der Blumenkäfer. Diese Tiere, meist ist es der Einhornkäfer (Notoxus monoceros), dessen Männchen das Cantharidin aus Ölkäfern (besonders toten Tieren) nutzen, um ihre Attraktivität gegenüber den Weibchen zu erhöhen. Die Weibchen wählen dann bevorzugt Männchen mit größeren Cantharidin-Reserven unter deren Flügel aus - wieder ein Aphrodisiakum?. Auch eine Art der Gnitzen saugt "Blut" an den Ölkäfern - andere Gnitzen-Arten sind uns als wenig erfreuliche Blutsauger an uns selbst oder unseren Nutztieren bekannt. Jedenfalls erlaubt das Cantharidin den Käfern, am helllichten Tage unbehelligt umher zu laufen.

Die wohl größte Besonderheit des Schwarzblauen Ölkäfers und der übrigen Meloë-Arten ist ihre Entwicklung. Die Weibchen legen in mehreren Schüben bis nahe 10.000 Eier ab - und das bis zu sechs mal! Der Rekord der insgesamt von einem Weibchen gelegten Eier beträgt 40.000. Die sind auch nötig, weil nur ein Bruchteil der schlüpfenden Larven die notwendigen Bedingungen finden wird - der Rest stirbt. Diese Bedingungen sind ein mit Pollenvorrat versorgtes Nest einer Wildbiene, i. d. R. sind es Sandbienen der Gattung Andrena. Ab etwa Mai schlüpfen die kleinen Larven und klettern in der Vegetation empor. Sie suchen eine Möglichkeit, auf ein Weibchen der Wildbienen zu gelangen, um von diesen in ein fertiges Nest Versorgungsphase getragen zu werden. Dort mit eingebaut, ernährt sich die Larve von den Eiern und dem Pollenvorrat, der eigentlich für den Bienennachwuchs gedacht war. Die meisten Larven scheitern allerdings dadurch, dass sie am falschen Ort warten und keine passende Biene treffen oder sich an falsche Insekten klammern und nie ein solches Nest erreichen.

Die Käfer sind meist von März bis Mai zu beobachten, je nach Witterung auch früher oder später. Die Käfer können nicht fliegen und kriechen in meist schütterer Vegetation umher - dort nisten auch die benötigten Bienen. Die Käfer sind Vegetarier, deren Energiebedarf wegen der hohen Eizahlen sehr hoch ist. Gefressen werden Blätter und Blüten verschiedener Kräuter und Stauden. Da die Tiere kaum klettern, sind es meist sehr niedrige Pflanzen (z. B. Löwenzahn). Die meist deutlich kleineren und leichtern Männchen sind weniger langlebig und leicht an den wie geknickt wirkenden Fühlern von den Weibchen zu unterscheiden.

In Marienfelde gibt es Sichtungen des Schwarzblauen Ölkäfers. Wir sind an weiteren Hinweisen mit möglichst genauen Ortsangaben sehr interessiert. Am besten mit Foto, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere Arten der Gattung Meloë im Gebiet leben.

Weitere Informationen zum Ölkäfer und anderen Insekten auf den Seiten der Entomologischen Gesellschaft ORION-Berlin.

Weitere Informationen zur in Kraft getretenen Notfallverordnung auf berlin.de

23.10.2020, 16 bis 19 Uhr

RangerTour "Wildes Marienfelde"

Kontakt

Naturschutzstation Marienfelde

Diedersdorfer Weg 3-5

12277 Berlin

 

rangerteam.marienfelde

[at]naturwachtberlin.de

www.naturwachtberlin.de

Tel. 030/757 747 66 

Notrufnummer 0170 5655 112

Druckversion Druckversion | Sitemap
Naturwacht Berlin e.V.